Projektergebnisse

Was waren die Ziele des Projektes?

Im Rahmen des Forschungsprojekts sollten Potenziale und Herausforderungen des „unverpackt“-Konzepts in Deutschland durch verschiedene Studien erhoben, analysiert und hinsichtlich der Implikationen für nachhaltigen Konsum untersucht werden. Hierzu arbeitete das Forschungsteam eng mit der Praxis, insbesondere den „unverpackt”-Läden in Deutschland, zusammen.

 Zentrale Annahme des Projektes war, dass das „unverpackt”-Konzept aufgrund des mittlerweile im Lebensmittelhandel etablierten hohen Grades an Verpackung sowie der damit verbundenen Abfallmengen und der Notwendigkeit der Reduzierung von Lebensmittelverlusten ein großes Potential zur ökologischen Transformation der Prozesse im Lebensmitteleinzelhandel birgt. Gleichzeitig stößt das Konzept aber auch auf zahlreiche Herausforderungen und ist von Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette abhängig.

 Ausgangspunkt der Untersuchung waren die derzeit bundesweit existierenden Konzeptläden. Im Rahmen von Fallstudien wurde unter anderem untersucht,

  • welche Probleme bei der Zulieferung, der Logistik und dem Verkauf existieren,
  • wie entlang der Wertschöpfungskette Verpackungen eingespart werden können,
  • welche Lösungen die Läden zur Umsetzung des „unverpackt”-Konzepts entwickelt haben,
  • welche Produkte sich mehr oder weniger gut für das „unverpackt”-Konzept eignen,
  • welche verschiedenen Typen an „unverpackt“-Kund*innen existieren, vor welchen Herausforderungen das Konzept Kund*innen stellt und wie die Alltagskompatibilität dieser Form des Einkaufens erhöht werden kann.

Neben der lösungsorientierten Erforschung der aktuellen Herausforderungen des Konzeptes stellte die Vernetzung der Ladnerinnen und Ladner ein zentrales Ziel des Projektes dar. Dieses wurde insbesondere durch regelmäßige Workshops realisiert. Zusammen mit der Praxis lotete das Forschungsteam aus, wie das „unverpackt“-Konzept derzeit funktioniert und zukünftig optimiert und weiter verstetigt werden kann.

Was genau sind eigentlich „unverpackt“-Läden?

Inspiriert von ähnlichen Modellen in anderen Ländern sowie der „Zero Waste“-Bewegung sind in Deutschland seit 2014 über 160 „unverpackt”-Läden entstanden; mindestens 80 weitere sind in Planung (Stand Ende 2019). „unverpackt”-Läden beziehen ihre Waren möglichst in Groß- oder Mehrweggebinden und bieten diese den Kund*innen in Spendern an. Die Kund*innen nutzen eigene oder vor Ort verfügbare Behälter, in die sie Waren abfüllen. Manche Produkte, bspw. Milch, Aufstriche oder Getränke, werden auch in Mehrwegbehältern angeboten. Neben der Reduktion von Einwegverpackungen bieten die Läden die Möglichkeit, genau die Mengen zu kaufen, die man benötigt. Es geht bei dem Konzept also darum, den Kund*innen einen möglichst verpackungsarmen und zugleich bedarfsgerechten Lebensmitteleinkauf zu ermöglichen. Ob dabei der Verzicht auf Plastik im Vordergrund steht, oder eher generell die Verpackungsreduktion – unabhängig vom Material –, ist dabei von Laden zu Laden unterschiedlich.

 Neben den „reinen“ „unverpackt“-Läden („Konzeptläden“) gibt es eine zunehmende Zahl an Läden, in denen ein Teil des Sortiments „unverpackt“ angeboten wird („Streckenläden“). Auch wenn sich die Verbreitung des Angebots insgesamt also recht dynamisch entwickelt, bedient es bislang noch eine sehr kleine Nische.Das liegt auch daran, dass Verpackungen im heutigen Lebensmittelhandel eine Reihe von vielfältigen Funktionen übernehmen, etwa Schutz-, Lager-, Transport-, Marketing-, Hygiene und Informationsfunktion. Diese müssen auf anderem Wege erfüllt werden, wenn auf Verpackung verzichtet wird, beispielsweise müssen Produktinformationen, Inhaltsstoffe und Haltbarkeitsdaten am jeweiligen Spender angebracht werden, wenn es keine Produktverpackung gibt. Die Annahme des Forschungsprojektes war, dass ein erheblicher Teil der Herausforderungen ganz wesentlich aus diesem Ersatz der Funktionen von Verpackung resultiert und dass dies mit einer Umstellung von Handlungsmustern und Routinen auf allen Stufen der Wertschöpfungskette verknüpft ist. Die Reduktion oder der Verzicht von Verpackungen ist nicht trivial, und Lösungen müssen neu gefunden und auf allen Stufen anschlussfähig und praktikabel sein.

Welche Bereiche und Themen wurden untersucht?

Im Projektverlauf wurden sechs Perspektiven herausgearbeitet, mit denen die Herausforderungen des „unverpackten“ Einkaufens betrachten wurden (vgl. Tabelle 1). Mit der Herausarbeitung der sechs Perspektiven wurde erstmals vertieftes und fundiertes Wissen über das in dieser Form neue und mutmaßlich nachhaltige Vermarktungskonzept generiert. Im Rahmen der empirischen Phase lag der Fokus auf den drei Kernperspektiven Beschaffung, Innen und Vermarktung; diese wurden im Rahmen von Fallstudien vertiefend untersucht. Die Branchenperspektive wurde durch Vernetzungsarbeit – insbesondere regelmäßige Workshops mit Ladner*innen – in den Blick genommen und befördert.

Perspektiven und Herausforderungen des unverpackt-Konzepts
Perspektiven und Herausforderungen des unverpackt-Konzepts

Beschaffung

Welche Produkte werden in „unverpackt“-Läden angeboten?

Alle „unverpackt“-Läden bieten Trockenwaren an, wie beispielsweise Müsli, Tee, Gewürze, Zucker, Nudeln, Hülsenfrüchte und Backpulver; außerdem gibt es fast immer Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kosmetik- und Hygieneartikel zur eigenen Abfüllung. Die Läden legen großen Wert auf hohe Qualitätsstandards. Entsprechend ist in der Regel ein hoher Anteil bis hin zu 100 % der Waren aus biologischer Landwirtschaft. Oft gibt es auch sogenannte Lifestyleprodukte: Produkte, die einen müllreduzierten Lebensstil unterstützen – beispielsweise Wasserflaschen aus Glas, Mehrweg-Coffee-to-go-Becher oder Bienenwachstücher. Die Geschäfte kooperieren mit kleinen Anbietern, die innovative und nachhaltige Produkte herstellen und fördern diese Unternehmen.

Darüber hinaus setzen die Läden jeweils eigene Schwerpunkte: Viele bieten Milch und Milchprodukte, manche Fleisch- und Wurstwaren an; in andere Läden gibt es ein rein veganes Sortiment.  In manchen Geschäften findet sich dagegen sogar Tierfutter. Ob Obst und Gemüse sowie Backwaren gekauft werden können, hängt auch davon ab, wie das Angebot dieser Produkten in direkter Umgebung zum Laden ist; oft gibt es diese auch auf dem Markt oder im Bioladen unverpackt. Der „unverpackt“-Laden ergänzt dann das lokale Angebot für eine Kundschaft, die Verpackungen möglichst reduzieren will.

Die Angebotspalette ist ähnlich groß wie in kleinen Bioläden und liegt meist zwischen 250 bis 500 Produkten – in manchen „unverpackt“-Läden gibt es aber sogar über 1.000 Produkte!

 Wie werden die Produkte an die „unverpackt“-Läden geliefert?

„Unverpackt“-Läden beziehen ihre Waren zum Teil über den klassischen Bio-Großhandel und darüber hinaus direkt von Produzent*innen und Erzeuger*innen. Die Läden legen meist Wert auf Regionalität und besondere Qualität und bieten oftmals Waren aus dem direkten Umland sowie von kleinen, innovativen Herstellern an. Ein zentraler Aspekt des „unverpackt“-Konzeptes ist darüber hinaus nicht nur die Reduktion von Verkaufsverpackungen, also dem, was Kund*innen direkt sehen, sondern auch die Reduktion von Transportverpackungen, also den Verpackungen, in denen die Ware in den Laden geliefert wird. Wo möglich, werden die Waren darum in Mehrwegkisten oder Großgebinden – also großen Verpackungseinheiten von 5 bis 25 kg – geliefert. Verpackungsmaterial, das sich bislang nicht vermeiden lässt, wird möglichst wiederverwertet und zur Weiternutzung an Interessent*innen abgegeben, z.B. Kanister für Reinigungsmittel. Genau hier, also bei dem Bezug von möglichst verpackungsreduzierten Waren von unterschiedlichen Herstellern, liegt eine Herausforderung für die Läden, weshalb diese Perspektive im Rahmen des Projektes besonders in den Blick genommen wurde.

Was wurde im Forschungsprojekt zur Beschaffung untersucht?

Die Betrachtung der Beschaffungsperspektive erfolgte zunächst durch eine Annäherung an das Thema auf Produktebene: Es wurden mit Hilfe der Betreiber von „unverpackt“-Läden 14 kritische Produkte identifiziert, u.a. Pfeffer, Schokolade, Nudeln und Waschmittel, deren verpackungsarme Beschaffung aus unterschiedlichen Gründen zu diesem Zeitpunkt noch nicht problemlos möglich war. Die Läden wünschen sich generell vor allem passendere Gebindegrößen und verpackungs- bzw. plastiksparenden Transport, also Anlieferung in Mehrwegboxen oder Papierverpackungen und Verzicht auf Stretchtfolie für die Sicherung der Waren auf Paletten. Es konnte herausgearbeitet werden, dass es für (Groß-)Händler Anreize gibt, sich auf die Bedürfnisse von „unverpackt“-Läden als Kunden einzustellen, beispielsweise die Erschließung neuer Zielgruppen und die Möglichkeit, dadurch selbst in der eigenen Lieferkette Verpackungsmaterial einzusparen. Es existieren aber gleichzeitig auch Hürden, beispielsweise Kosten für Investitionen in Prozessumstellungen und Vorbehalte bezüglich der Qualität und Haltbarkeit der Produkte, wenn sie anders als bisher verpackt werden.

 Gegenüber der Situation zu Beginn des Projektes ist inzwischen jedoch eine dynamische Entwicklung zu erkennen. Eine Befragung unter Großhändlern im Juli und August 2018 bestätigte, dass das Thema Verpackungsreduktion mittlerweile hohe Relevanz für die Lieferanten hat. Einzelne Akteure sind Vorreiter und bereit, neue Wege zu gehen. Um dies im Detail weiter zu untersuchen, wurde im weiteren Projektverlauf ein Großhändler bei der Umstellung seiner Prozesse begleitet und anhand eines konkreten Fallbeispiels untersucht, welche (Transport-)Verpackungen funktionieren und wo es Schwierigkeiten gibt. Es zeigte sich, dass die Verantwortlichen in den „„unverpackt““-Läden die Bemühungen des Großhändlers grundsätzlich positiv bewerten. Insbesondere die Nutzung von Mehrwegeimern zum Transport bestimmter Waren (etwa Sojasauce, Öl und Essig) wird sehr begrüßt. Im Alltag stellt die Nutzung der Eimer die alltäglichen Prozesse im Laden jedoch vor erhebliche Herausforderungen, etwa was den Platzbedarf, die Schulung der Mitarbeiter*innen und das Handling betrifft.  Die alternativen Lösungen sind aktuell mit großem Aufwand verbunden, der von den Ladner*innen geschultert werden, der sich aber perspektivisch reduzieren sollte.

Innen: Prozesse im Laden

Wie werden die notwendigen Hygienestandards in „unverpackt“-Läden gewährleistet?

Der Verkauf unverpackter Ware ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Die Inhaber*innen von „unverpackt“-Läden müssen – ebenso wie alle anderen Einzelhändler, die Lebensmittel vertreiben – bestimmte Regelungen befolgen, um zu gewährleisten, dass Produkte immer sicher und hygienisch einwandfrei verkauft werden. Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde ein Leitfaden für Hygiene und Kennzeichnung entwickelt, in dem geltende Gesetze, Richtlinien und Empfehlungen speziell für „unverpackt“-Läden aufbereitet wurden: http://hygieneleitfaden-unverpackt.de/

Wie werden unverpackte Lebensmittel gekennzeichnet?

Neben der Einhaltung von Hygienestandards ist die Kennzeichnung ein Thema für „unverpackt“-Läden. Auch diesbezüglich ist es grundsätzlich möglich und erlaubt, Produkte unverpackt anzubieten. Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben (etwa Mindesthaltbarkeitsdatum, Allergene, Preis und Hersteller) werden in der Regel gut sichtbar auf den Spendern angegeben. Manche Läden halten auch Mappen bereit, in denen bestimmte Angaben, etwa zu Allergenen, nachgeschlagen werden können – und natürlich sind die Mitarbeiter*innen auskunftsfreudig und -fähig, wenn es um spezifische Fragen zu den Produkten geht. Auch hierzu finden sich Informationen im Leitfaden, der im Rahmen des Projektes entwickelt wurde.

Arbeiten „unverpackt“-Läden wirtschaftlich?

Die Landschaft der „unverpackt“-Läden in Deutschland ist sehr divers. Die Läden werden häufig  von idealistischen Einzelpersonen gegründet und als Einzelladen oder als Filiale geführt, nicht als Kette oder Franchise-System. Dadurch hat jeder Laden einen eigenen Charakter, gleichzeitig stehen die Gründer*innen jedoch vor ähnlichen Herausforderungen wie alle Gründer*innen von Start-Ups, insbesondere, wenn sie Quereinsteiger*innen sind und wenig Erfahrung im Lebensmitteleinzelhandel oder mit der Buchhaltung haben. Im Grunde ist die Gründung eines „unverpackt“-Ladens wie die Gründung eines kleinen Bioladens, aber mit zusätzlichen Herausforderungen und Besonderheiten, nämlich denen, die sich ergeben, wenn auf Verpackungen verzichtet wird. Im Rahmen des Projektes wurden darum, zusammen mit dem Beratungsunternehmen Klaus Braun, Wirtschaftlichkeitskennziffern entwickelt, die den Läden dabei helfen sollen, ihre Betriebsergebnisse zu monitoren und damit die Professionalität zu erhöhen. Bei Rückfragen hierzu kann man sich direkt an das Forschungsteam wenden (melanie.kroeger@hnee.de).

Ist der unverpackte Einkauf teuer?

Eine verbreitete Annahme ist, dass der Einkauf im „unverpackt“-Laden teurer ist als übliche Lebensmitteleinkäufe. Im Projektverlauf konnte gezeigt werden, dass wie so oft gilt: Es kommt natürlich darauf an, was verglichen wird. In den „unverpackt“-Läden werden in der Regel hochwertige Biowaren verkauft. Die Preise können also nur mit anderen Biowaren verglichen werden, und z.B. nicht mit (günstiger) Discounterware. Wenn dies berücksichtigt wird, zeigt sich, dass die Preise im „unverpackt“-Laden im Durchschnitt gut mit ortsüblichen Preisen mithalten können. Ein systematischer Preisvergleich von 20 Produkten zwischen „unverpackt“- und Bioläden sowie Supermärkten in vier deutschen Städten hat gezeigt, dass Preisunterschiede eher davon abhängig sind, welches Biosiegel sie tragen und ob es sich um Marken-Bioware oder günstige Bioware handelt, als davon, in welchem Geschäft sie gekauft wurden.

Vermarktung und Kund*innen

Wie funktioniert Einkaufen ohne Verpackung?

Die Kund*innen bringen idealerweise ihre eigenen Behältnisse, die sie mehrfach verwenden, mit. Das können z.B. Schraubgläser, Tupper- oder Edelstahlboxen, Papiertüten oder Baumwollbeutel sein. Ergänzend werden den Kund*innen in den Läden oft auch Mehrwegbehälter zum Kauf angeboten. Vor dem Abfüllen der Waren werden die Behälter gewogen, um das Leergewicht zu bestimmen. Anschließend können die Kund*innen die Behälter mit Ware befüllen, nochmals wiegen, um das Nettogewicht der abgefüllten Ware zu ermitteln, und diese anschließend bezahlen. 

Wer kauft „unverpackt“ ein?

Eine zentrale Frage war und ist, welche Menschen das Angebot von „unverpackt“-Läden eigentlich nutzen, warum sie dies tun, was genau sie dort kaufen, vor welchen Herausforderungen sie stehen und wie sich das Konzept womöglich ausweiten lässt. Um diese Fragen zu untersuchen, wurde im Rahmen des Projektes eine sogenannte Tagebuchstudie durchgeführt: Insgesamt 48 Kund*innen von zwei „unverpackt“-Läden in zwei Städten protokollierten ihre gesamten Lebensmitteleinkäufe (unabhängig von der Art der Einkaufsstätte) über einen Zeitraum von drei Wochen. Außerdem wurden vertiefende Interviews mit einigen der Studienteilnehmer*innen geführt. So konnten Erkenntnisse darüber erlangt werden, welche Produkte in welchen Geschäften gekauft werden und welche Rolle der „unverpackt“-Laden dabei spielt. Es konnten außerdem drei „Typen” von „unverpackt“-Kund*innen identifiziert werden: Die „Seltenkäufer*innen mit niedrigem Budget”, die „Besserverdienenden Neukund*innen” und die „Intensivkund*innen”.

Die ausführlichen Ergebnisse der Studie wurden veröffentlicht: Kröger, M.; Wittwer, A.; Pape, J. (2018): unverpackt Einkaufen: Mit neuen Routinen aus der Nische? In: Ökologisch Wirtschaften, 4.2018, 46-50.

Welche Herausforderungen und welche Hilfen gibt es für „unverpackt“-Kund*innen?

Die Untersuchung hat gezeigt, dass vor allem die Planung der Einkäufe, das „Behältermanagement” – also das Mitbringen von geeigneten und ausreichend vielen Behältern, und die Integration des Einkaufs in den Alltag allgemein – also z.B. die Erreichbarkeit der Läden, eine Herausforderung für Kund*innen darstellt. Andere, möglicherweise zu erwartende Aspekte wie das höhere Gewicht des Einkaufs oder die Preise im Laden, waren jedoch für die befragten Kund*innen eher keine Hürden. Es wurde außerdem untersucht, was genau den Kund*innen von „unverpackt“-Läden dabei geholfen hat, die anfänglichen Herausforderungen zu überwinden und wie es ihnen gelungen ist, den unverpackten Einkauf zu einer Routine werden zu lassen.

Die „unverpackt“-Toolbox

Die Tipps und Hinweise, die im Projektverlauf gesammelt wurden und die dabei helfen können, den unverpackten Einkauf in den Alltag zu integrieren, wurden gesammelt und in Kooperation mit Studierenden der Hochschule für populäre Künste (HdpK) Berlin grafisch aufbereitet. Im Ergebnis liegt nun eine Sammlung von praxisnahen „unverpackt“-Einkaufs-Tipps” vor, die als Postkarten, Poster oder Online-Post verwendet werden können. Bei Rückfragen hierzu kann man sich direkt an das Forschungsteam wenden (melanie.kroeger@hnee.de).

Ablauf unverpackt-Einkauf Schritt für Schritt (Design: Ella Jost)
Ablauf unverpackt-Einkauf Schritt für Schritt (Design: Ella Jost)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Tran Ngo Phan Huyen)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Tran Ngo Phan Huyen)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Annalena Stasiak)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Annalena Stasiak)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Carolin Anders)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Carolin Anders)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Tupac Rodriguez)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Tupac Rodriguez)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Maria Mai)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Maria Mai)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Rebecca Freund)
Tippsammlung für den unverpackten Einkauf (Design: Rebecca Freund)

Branche, Konkurrenz und Netzwerk

Neben der empirischen Forschungsarbeit lag ein weiterer Schwerpunkt des Forschungsprojektes auf der engen Zusammenarbeit mit der Praxis und der Vernetzung der bestehenden und geplanten „unverpackt“-Läden. Von Beginn an wurde darum der Kontakt zu den Läden gesucht und es wurden regelmäßig Workshops in verschiedenen Städten durchgeführt, zu denen „unverpackt“-Ladeninhaber*innen aus ganz Deutschland eingeladen wurden. Während beim ersten Workshop 2016 in Berlin 15 Ladeninhaber*innen teilnahmen, konnte im Laufe des Projektes ein breites Netzwerk aufgebaut werden, sodass mit ca. 40 Läden relativ enger Kontakt bestand. Beim Abschlussworkshop im Herbst 2019 waren 33 Läden vertreten. Im Rahmen der Workshops wurden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt, mit den Ladner*innen diskutiert und weiterer Forschungsbedarf identifiziert. Sowohl die Perspektiven der Untersuchung des Phänomens „unverpackt“ wie auch die Inhalte wurden also im Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis entwickelt und konkretisiert. Beim Abschlussworkshop in Stuttgart im Oktober 2019 wurde dies von den teilnehmenden Ladner*innen als großer Gewinn gewürdigt.

1. unverpackt-Workshop, Berlin, Oktober 2016
1. unverpackt-Workshop, Berlin, Oktober 2016
3. unverpackt-Workshop, Hamburg, November 2017
3. unverpackt-Workshop, Hamburg, November 2017
5. unverpackt-Workshop, Leipzig, Oktober 2018
5. unverpackt-Workshop, Leipzig, Oktober 2018
6. unverpackt-Workshop, Hannover, April 2019
6. unverpackt-Workshop, Hannover, April 2019
Workshopsituation
Workshopsituation
Workshopsituation
Workshopsituation

Außenwahrnehmung und Entwicklung

Als 2014 die ersten „unverpackt“-Läden eröffneten, ernteten diese von Zulieferern oftmals Stirnrunzeln und Kopfschütteln – das ist heute anders. „Unverpackt“ ist im Zentrum der Diskussion um Verpackungsreduktion angekommen, so zeigt der Blick in Medien, auf Unternehmenswebseiten, Round Tables und die Programme großer Branchentreffen wie der BioFach. In weniger als fünf Jahren ist die Nische dynamisch gewachsen. Mit dem „unverpackt“ e.V. (www.unverpackt-verband.de) wurde ein eigener Branchenverband gegründet und Großhandel und Hersteller bieten erste Lösungen für die verpackungsreduzierte Zulieferung an.

 Diese Entwicklung wurde über die gesamte Projektlaufzeit beobachtet, beispielsweise wurden Medienberichte zu „unverpackt“ verfolgt. Die Berichterstattung fiel überwiegend positiv aus – das Konzept stößt offenbar auf großes Interesse, vor allem Berichte über die Eröffnung von „unverpackt“-Läden, den Ladenalltag oder Reportagen über “Selbstversuche” zum unverpackten Einkaufen wurden über die Zeit immer häufiger.

 2017 wurde außerdem eine Studie zur Wahrnehmung des Konzepts aus der Sicht von Expert*innen fertiggestellt. Im Rahmen von Interviews mit Vertreter*innen aus der Forschung, von Verbänden, NGOs, aus dem Handel oder der Verpackungsindustrie wurde erörtert, welche Bedeutung Verpackungsreduktion im Lebensmitteleinzelhandel hat, wie Pre-cycling-Konzepte dort umgesetzt werden und wie der zukünftige Umgang mit Verpackungsreduktion eingeschätzt wird. Die Ergebnisse bilden eine Momentaufnahme ab – seit 2017 hat sich bereits viel getan. Dennoch bildeten die Erkenntnisse eine wichtige Grundlage für den weiteren Projektverlauf. Die Studie kann im Downloadbereich heruntergeladen werden.

Umwelt

Eine Frage, die sich im Projektverlauf immer wieder stellte, war die nach den Umwelteffekten des verpackungsreduzierten Einkaufs: Können durch „unverpackt“-Läden tatsächlich Verpackungen gegenüber dem klassischen Einzelhandel eingespart werden? Ist das Konzept also wirklich „umweltfreundlicher”? Es ist nicht einfach, dies eindeutig zu beantworten, weil die Messung von Umweltauswirkungen sehr komplex ist. Im Rahmen von Abschlussarbeiten wurde jedoch eine Methode entwickelt und eingesetzt, durch die es möglich war, die anfallende Transport- und Verkaufsverpackung exemplarisch in 4 „unverpackt“-Läden mit 4 Bioläden zu vergleichen. Die Verpackungseinsparung in den „unverpackt“-Läden betrug in dieser Stichprobe 84%, bezogen auf das reine Gewicht der Verpackungen. Auch wenn diese Ergebnisse nicht repräsentativ für „die“ „unverpackt“-Läden sind, deuten diese und andere Arbeiten darauf hin, dass in den „unverpackt“-Läden selbst und vor allem den Haushalten der Kund*innen bei vielen Produkten deutlich weniger Müll anfällt, als bei einem „gewöhnlichen“ Einkauf. Die Arbeiten stehen im Downloadbereich zur Verfügung.