FAQ

Welches Ziel verfolgt diese Website, und wer steht dahinter?

Hinter www.netzwerk-unverpackt.de steht eine Gruppe von Lebensmittelhändler*innen, die sich in einem Netzwerk zusammengeschlossen haben und sich, ihre Läden und ihre Philosophie hier präsentieren. Die Seite soll allen Interessierten einen Überblick geben über die nach wie vor wachsende Gemeinschaft an Läden, die sich das Ziel gesetzt haben, Verpackungsmaterialien beim Lebensmitteleinkauf soweit wie möglich zu reduzieren. Alle Läden, die sich hier vorstellen, bieten ihren Kund*innen Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs ohne die üblichen (Einweg-) Verpackungen. Die Produkte werden meist in Spendern zum Selbstabfüllen oder in Mehrwegbehältern angeboten.

Die Seite entstand im Rahmen des Forschungsprojektes “Der verpackungsfreie Supermarkt” (www.hnee.de/unverpackt) der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und verfolgt keine kommerziellen Interessen.

 

Was bedeutet „unverpackt“?

Unverpackt bedeutet, dass die Läden ihre Waren möglichst in Großgebinden beziehen und diese den Kund*innen in Spendern angeboten werden. Die Kund*innen nutzen für den Einkauf individuelle Behälter - idealerweise selbst mitgebrachte, die möglichst mehrmals genutzt werden -, in die sie die Ware abfüllen. Manche Produkte, bspw. Milch oder Getränke, werden auch in Mehrwegbehältern angeboten. Darüber hinaus achten die Läden darauf, das Verpackungsaufkommen bei der Anlieferung möglichst gering zu halten.

Neben der Reduktion von Einwegverpackungen bieten die Läden damit die Möglichkeit, genau die Mengen zu kaufen, die man benötigt.

Es geht bei dem Konzept also darum, den Kund*innen einen möglichst verpackungsarmen und zugleich bedarfsgerechten Lebensmitteleinkauf zu ermöglichen.

Darüber hinaus geht es aber auch darum, dass unverpackt einkaufen auch für ein anders Verhältnis zwischen Kund*innen und Ladenbesitzer*innen steht. Wer Tipps zu Zero Waste sucht, persönliche und ehrliche Beratung wünscht oder einfach auf der Suche nach nachhaltigen Produkten ist, wird in den Läden hier auf der Seite sicher fündig.

 

Was ist das “Projekt unverpackt”?

Mit dem Forschungsprojekt Der verpackungsfreie Supermarkt („Projekt unverpackt“) wird erstmals in Deutschland der unverpackt-Einkauf systematisch untersucht.

Zentrale Annahme des Projektes ist, dass das Konzept ein großes Potential zur ökologischen Transformation der Prozesse im Lebensmitteleinzelhandel birgt. Gleichzeitig stößt das Konzept aber auch auf zahlreiche Herausforderungen und ist von Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette abhängig. Genau diese werden vomTeam der HNEE untersucht.

Ausgangspunkt der Untersuchung sind die derzeit bundesweit existierenden Konzeptläden. Im Rahmen von Fallstudien wird untersucht,

  • welche Probleme bei der Zulieferung, der Logistik und dem Verkauf existieren,
  • wie entlang der Wertschöpfungskette Verpackungen eingespart werden können,
  • welche Lösungen diese Läden zur Umsetzung des unverpackt-Konzepts entwickelt haben,
  • welche Produkte sich mehr oder weniger gut für das unverpackt-Konzept eignen, und
  • welche verschiedenen Typen an „unverpackt“-Kund*innen existieren und vor welchen Herausforderungen das Konzept Kund*innen stellt.
  • Neben dieser lösungsorientierten Erforschung des Konzeptes stellt die Vernetzung der Ladner*innen ein zentrales Ziel des Projektes dar. Hierzu finden regelmäßig Workshops statt. Zusammen mit der Praxis - insbesondere den "unverpackt"-Ladner*innen - wollen wir herausfinden, wie das "unverpackt"-Konzept derzeit funktioniert und zukünftig optimiert und weiter verstetigt werden kann.

 

Wie bekommen Unverpackt-Läden ihre Waren geliefert?

Die Geschäfte beziehen ihre Waren zum Teil über den klassischen Bio-Großhandel und darüber hinaus direkt von Produzent*innen und Erzeuger*innen. Die Läden legen großen Wert auf Regionalität und Qualität und bieten oftmals Waren aus dem direkten Umland sowie von kleinen, innovativen Herstellern an. Wo möglich, werden die Waren in Mehrwegkisten oder Großgebinden - also großen Verpackungseinheiten von 5 bis 25 kg - geliefert. Verpackungsmaterial, das sich bislang nicht vermeiden lässt, wird möglichst wiederverwertet und zur Weiternutzung an Interessent*innen abgegeben, z.B. Kanister für Reinigungsmittel.

 

Wie funktioniert Einkaufen ohne Verpackung?

Die Kund*innen bringen idealerweise ihre eigenen Behältnisse, die sie mehrfach verwenden, mit. Das können z.B. Schraubgläser, Tupper- oder Edelstahlboxen, Papiertüten oder Baumwollbeutel sein. Alternativ werden den Kund*innen in den Läden oft auch Mehrwegbehälter zum Kauf angeboten. Vor dem Abfüllen der Waren gilt es, die Behälter auszuwiegen, um das Leergewicht zu bestimmen. Anschließend können die Kund*innen die Behälter mit Ware befüllen, nochmals wiegen, um das Nettogewicht der abgefüllten Ware zu ermitteln, und diese anschließend bezahlen.

 

Kann man überhaupt noch spontan einkaufen?

Da die Läden ihren Kund*innen in der Regel Mehrwegbehälter zum Kauf und kostenfreie Lösungen, wie Papiertüten, anbieten, steht auch einem spontanen Einkauf nichts im Wege.

 

Verzichten die Läden zu 100% auf Plastik?

Das kommt ganz auf den jeweiligen Schwerpunkt der Läden an. Für manche steht die generelle Verpackungsreduktion klar im Vordergrund, andere wollen so plastikfrei wie möglich sein. Alle Läden bieten ihre Ware in großen transparenten Spendern an, die entweder aus Glas und Holz oder aus hochwertigem Kunststoff sind. Damit werden für diese Spendersysteme natürlich ebenfalls Ressourcen genutzt. Ein Verzicht auf solche Systeme ist jedoch mit den hohen Anforderungen an Lebensmittelqualität nicht vereinbar und würde dem Konzept hinsichtlich Haltbarkeit und Qualität der Lebensmittel diametral widersprechen. Schließlich hat jeder Laden eine Ausstattung mit Regalen und Behältnissen, die unverpackt-Läden bilden da keine Ausnahme.

Auch wenn es derzeit noch Grenzen gibt und individuell Kompromisse gemacht werden müssen, nähern sich die unverpackt-Läden schrittweise an das Ideal eines verpackungsfreien Supermarktes an. 

 

Ist es nicht unhygienisch, auf Verpackung zu verzichten?

Der Verkauf unverpackter Ware ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Die Ladner*innen legen großen Wert auf die Sauberkeit der Läden. Obst, Gemüse und Brot werden ja auch im klassischen Super- oder Biomarkt oftmals unverpackt angeboten, und wie dort sind alle anderen Lebensmittel in unverpackt-Läden vor äußeren Einflüssen geschützt. Trockenprodukte, wie Nudeln, Müsli und Nüsse, werden den Kund*innen entweder in sog. Gravity Bins angeboten, wo die Produkte durch einen Hebelmechanismus herausfallen oder in sog. Scoop Bins, wo sie mit großen Löffeln aus den Gefäßen geschöpft werden. Somit kommen die Produkte nicht mit den Kund*innen in Berührung. Die Spender werden regelmäßig gereinigt. Die Läden haben ein individuelles Hygienekonzept und müssen die üblichen behördlichen Auflagen erfüllen.

 

Welche Produkte kann ich in den Läden üblicherweise kaufen?

Alle unverpackt-Läden bieten Trockenwaren an, wie beispielsweise Müsli, Tee, Gewürze, Zucker, Nudeln, Hülsenfrüchte und Backpulver. Die Läden legen großen Wert auf hohe Qualitätsstandards. Entsprechend ist in der Regel ein hoher Anteil bis hin zu 100 % der Waren aus biologischer Landwirtschaft. Neben Trockenwaren gibt es in allen Läden sogenannte Lifestyleprodukte: innovative Produkte, die einen müllreduzierten Lebensstil unterstützen - beispielsweise Wasserflaschen aus Glas oder Mehrweg-Coffee-to-go-Becher,  welche es nicht überall zu kaufen gibt. Die Geschäfte kooperieren mit kleinen Anbietern, die innovative und nachhaltige Produkte herstellen und fördern diese Unternehmen.

Darüber hinaus setzen die Läden jeweils eigene Schwerpunkte: Viele bieten Milch und Milchprodukte, manche Fleisch- und Wurstwaren an. Obst und Gemüse sowie Backwaren gehören fast überall zum Standard, ebenso wie Kosmetik- und Hygieneartikel. In manchen Geschäften findet sich sogar Tierfutter.

Die Angebotspalette ist ähnlich groß wie in kleinen Bioläden und liegt meist zwischen 250 und 500 Produkten - in manchen gibt es aber sogar über 1.000 Produkte!

 

Wie kann ich etwas über die Inhaltsstoffe oder Allergene in den Lebensmitteln erfahren, wenn die Verpackung entfällt?

Die gesetzlich vorgeschriebenen Angaben (etwa Mindesthaltbarkeitsdatum, Preis und Hersteller) werden in der Regel gut sichtbar auf den Spendern angegeben. Manche Läden halten auch Mappen bereit, in denen bestimmte Angaben, etwa zu Allergenen, nachgeschlagen werden können – und natürlich sind die Mitarbeiter*innen auskunftsfreudig und -fähig, wenn es um spezifische Fragen zu den Produkten geht.

 

Wie viel nützt das der Umwelt wirklich?

Bislang liegen erst wenige wissenschaftliche Erkenntnisse hierzu vor. Laut einer ersten wissenschaftlichen Arbeit fällt bei den Läden selbst und vor allem den Haushalten der Kund*innen bei vielen Produkten deutlich weniger Müll an, als beim „gewöhnlichen“ Einkauf. Beispiele hierfür (mit prozentualer Einsparung in Klammern) sind:

  • Basmatireis (77%)
  • Weizenmehl (57%)
  • Cornflakes (95%)
  • Spirelli Nudeln (87%)
  • Rapsöl (keine Verpackung im unverpackt Laden: 699,3g/Liter Einsparung)
  • Cashewbruch (35%)
  • Espresso - ganze Bohnen (92%)
  • Color Waschmittel flüßig (8%)
  • Nur bei Schokolade viel im unverpackt Laden mehr Verpackung an (-39,1%), da dieser Bruchschokolade abnimmt und diese u.a. mit Folien zwischen den 1kg Stücken gepolstert wird.

Anhand einer ersten Ökobilanzierung, die in Kooperation mit dem Berliner Laden Original Unverpackt erstellt wurde, ist erkennbar, dass neben der reinen Verpackungseinsparung aber auch weitere Faktoren berücksichtigt werden müssen. Die Ergebnisse der Untersuchung findet ihr hier.

 

Und was habe ich davon?

Weniger Verpackungsmüll. Gute Produkte in der richtigen Menge. Ein gutes Gewissen. Und ein anderes Einkaufserlebnis.

 

Wo gibt es weitergehende Infos zum Thema?

Hier eine Liste von interessanten Links zum Thema:

 

Wie finde ich raus, wo der nächste unverpackt-Laden in meiner Nähe ist?

Hier auf der Seite! Unter der Lupe oben rechts kannst du deine Postleitzahl eingeben und dir Anzeigen lassen, welche unverpackt Läden es in deiner Nähe gibt.


 
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